Rebecca Clarke (1886 - 1979)

Rebecca wurde in Harrow bei London geboren und wuchs mit drei Geschwistern in einem musikalischen, deutsch-amerikanischen Elternhaus auf.
Mit acht Jahren erhielt sie ihren ersten Geigenunterricht und mit sechzehn begann sie mit dem Violinstudium an der Royal Academy of Music in London. Einige Jahre später wurde sie dann auch als erste Frau in die Kompositionsklasse von Charles Villiers Stanford aufgenommen. Gleichzeitig studierte sie nun auch Viola. Nach drei Jahren mußte sie wegen eines Streites mit ihrem Vater, der sie sozusagen vor die Tür setzte, ihr Studium unterbrechen.

Ab nun verdiente sie ihren Lebensunterhalt als Bratschistin und wurde Mitglied in verschiedenen Frauenmusikgruppen, u.a. auch als eine von den ersten Frauen in "Queens Hall Orchestra", das Sir Henry Wood leitete.

1916 reiste Clarke erstmals in die USA, wo sie nicht nur als Solistin, sondern auch als Komponistin mehr und mehr Anerkennung bekam.

Eine von ihr uraufgeführte Komposition für Viola und Klavier mit dem Titel "Morpheus", die die Presse besonders lobte und hervorhob, wurde unter dem männlichen Pseudonym Anthony Trent aufgeführt.

Mit der Sonate für Viola und Klavier, gewann sie als Komponistin den 2. Preis beim " Berkshire Festival of Chamber Music" in Kalifornien. Im Jahr 1921 erhielt sie beim gleichen Wettbewerb mit ihrem Klaviertrio wieder den 2. Preis. Diese Jahre bei den Festivals waren für Clarke nicht nur kompositorisch sehr fruchtbar, sie konzertierte in dieser Zeit auch sehr viel und ging u.a. mit der Cellistin May Mukle auf Welttournee.

Ab 1924 komponierte R.Clarke plötzlich wenig, eigentlich gar nicht. Diese Schaffenspause hielt bis zum Jahr 1939 an. Darüber sprach sie anläßlich ihres 90. Geburtstages in einem Interview mit Robert Sherman:" Warum hab ich gänzlich mit dem Komponieren aufgehört? Ich weiß es nicht... Persönliche Erwägungen spielten eine Rolle, und ich hörte einfach auf…Ich trocknete einfach aus." Und über das Komponieren und die persönlichen Voraussetzungen dafür sagte sie:" Es gibt auf der Welt nichts Aufregenderes - oder fast nichts...Ich kann nicht komponieren, wenn es nicht mein erster Gedanke ist beim Aufwachen und mein letzter Gedanke, bevor ich einschlafe - ich muß es fortwährend im Sinn haben, und wenn man zu vielen anderen Dingen Raum lässt, wird man wahrscheinlich nicht in der Lage sein, es zu tun. Das ist meine Erfahrung..." (Vgl. Sherman, Robert. "Robert Sherman Interviews Rebecca Clarke about Herself". Transkription des Interviews vom 30. August 1976 auf WQXR Radio, In: A Rebecca Clarke Reader. Bloomington: Indiana University Press, 2004.S.170-181 (Sherman 2004b)

Als sie 1939 endgültig in die USA übersiedelte, begann sie wieder verstärkt zu komponieren. Viele ihrer Kompositionen aus dieser Zeit von 1939- 1942 sind Werke von großer Vielfalt, Chorwerke, Kammermusik und Lieder. Die Wurzeln ihrer musikalischen Sprache sind in der Spätromantik zu finden. Die Beschäftigung mit asiatischer Musik und auch die vielen Strömungen der Musik in der 1.Hälfte des 20.Jhdts. hatten Einfluß auf ihr kompositorisches Wirken.

Im Jahr 1944 heiratete R.Clarke ihren langjährigen Kollegen, den sie von gemeinsamen Studien kannte, den Pianisten und Komponisten James Friskin. In den ersten Jahren ihrer Ehe konzertierten sie gemeinsam als Kammermusikduo.

Als sie an Arthritis erkrankte, mußte sie ihre Tätigkeit als Bratschistin bald endgültig beenden und auch das Komponieren einschränken.

Im Oktober 1979 starb Rebecca Clarke in New York City.