Nadia Boulanger (1887 in Paris - 1979 in Paris)

Die hochmusikalische, älteste Tochter des Komponisten und Gesanglehrers Ernest Boulanger hat schon sehr früh am Pariser Conservatoire einen vorbildlichen Unterricht erhalten.

Unter anderem war sie dort auch Schülerin in der Kompositionsklasse von Gabriel Faure, der als Komponist ein Vorbild für sie war.

Nadia, die zusammen mit ihrer um sechs Jahre jüngeren Schwester Lili in einem bedeutenden, musikalischen Umfeld aufwuchs, kam schon frühzeitig mit künstlerischen Persönlichkeiten, wie den Komponisten Charles Gounod, Jules Massenet, Camille Saint-Saens und dem Pianisten Raoul Pugno In Kontakt, die regelmäßig im Elternhaus verkehrten.

Nachdem sie im Jahr 1904 das Studium am Conservatoire abschloss, begann sie schon mit 17 Jahren zu unterrichten, denn nach dem Tod ihres Vaters hatte sie auch für den Unterhalt der Familie zu sorgen.

1908 gewann sie bei dem großen Prix de Rome für Komposition den 2. Preis.

Ihre Schwester Lili, die eine sehr begabte Komponistin war, aber leider schon mit 24 Jahren verstarb, erhielt 5 Jahre später bei diesem renommierten Wettbewerb den 1. Preis, der zu diesem Zeitpunkt erstmals an eine Frau vergeben wurde.

Mit dem Pianisten Raoul Pugno arbeitete N. Boulanger künstlerisch sehr eng zusammen, sie komponierten u.a. auch gemeinsam die Oper „La ville morte“, und mit Igor Strawinsky, den sie 1913 kennenlernte, war sie eng befreundet und setzte sich zeitlebens für seine Musik ein.

Ab dem Jahr 1919 trat ihre kompositorische Tätigkeit völlig in den Hintergrund, sie verlegte den Schwerpunkt ganz auf ihre musikpädagogische Arbeit. Bis zu ihrem Lebensende unterrichtete sie an der Sommerakademie in Fontainebleau, weiters war sie als Assistentin von Gabriele Faure am Conservatoire in Paris tätig, und 1935 übernahm sie die Kompositionsklasse von Paul Dukas an der Royal Academy of Music und unterrichtete u.a. an der Yehudi Menuhin School.

Von 1940 -1946 lebte sie in den USA, wo sie neben dem Unterrichten, als eine der ersten Frauen, Konzerte mit großem Erfolg dirigierte.

In weiterer Folge wurde sie Maitre de Chapelle in Monaco wo sie u.a. anläßlich der Hochzeitsfeierlichkeiten von Grace Kelly u. Fürst Rainer die Messe von I. Strawinsky dirigierte.

N.Boulanger erhielt zu Lebzeiten zahlreiche Auszeichnungen.

Sie verstarb im Oktober 1979 in Paris.