Marianna Martines (1744 - 1812)

wurde in Wien geboren. Der bekannte Dichter und Librettist Pietro Metastasio, der im Haus der Familie eine Wohnung innehatte, übernahm frühzeitig die Erziehung und musikalische Ausbildung der kleinen Marianna.

Ab Anfang des Jahres 1753 waren für die vertiefende musikalische Ausbildung Joseph Haydn (der damals auch im Haus Martines wohnte), Johann Adolf Hasse und Nicolo Porpora maßgeblich.
Marianna wurde schon früh als Sängerin, Pianistin und Komponistin in Wien bewundert und gefeiert.

Sie hat ein umfangreiches Werk hinterlassen, u.a. mehrere Messen, Kantaten und Motetten, Oratorien, Psalmvertonungen, Cembalo Konzerte und Sonaten, 2 Klavierkonzerte, sowie eine Sinfonie. Die Texte ihrer Messen, Kantaten und Arien waren immer lateinisch oder italienisch und stammten meist von Metastasio. Ihre Werke waren auch ganz von den Klangvorstellungen der italienischen Schule geprägt.
Nach Metastasios Tod im Jahr 1782 erbte Marianna ein großes Vermögen, welches sie teilweise dazu verwendete, in ihrem Haus wöchentliche musikalische Abende zu veranstalten. Unter anderem spielte sie da auch vierhändige Werke zusammen mit W.A.Mozart, der häufiger Gast bei ihr war.
Einen Teil ihres Geldes investierte sie in eine Singschule, die als Vorläuferin des Wiener Konservatoriums gilt.

Durch ihre Zeitgenossen erfuhr sie auch große Anerkennung durch die ehrenvolle Aufnahme in die "Accademia Filarmonica von Bologna" und die Wiener Tonkünstler Societät.
Die Komponistin verstarb 1812 in Wien.

Eva Weissweiler schreibt in ihrem Buch "Komponistinnen aus 500 Jahren" u.a. :
"Die musikwissenschaftliche Rezeption von Mariannes Werken ist ein interessantes Beispiel dafür,wie bewußte Geschichtsverfälschung jahrzehntelang tradiert bzw. unkritisch übernommen wird, wenn es darum geht, die kompositorischen Leistungen einer Frau herabzuwürdigen. In Hanslicks "Wiener Concertwesen", in Eitners "Quellenlexikon", in Paumgartners Burney-Übersetzung...............ist
übereinstimmend von der "Mittelmäßigkeit" ihrer Kompositionen die Rede. Abgesehen von Eitner............hat nicht ein einziger der genannten Autoren jemals ein Werk von Marianna gehört oder auch nur eingesehen. Hanslick behauptet sogar in vollem Ernst, alle ihre Stücke seien verschollen". ( Weissweiler, Eva. Komponistinnen aus 500 Jahren. Eine Kultur-und Wirkungsgeschichte in Biographien und Werkbeispielen. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch 1981)