Louise Adolpha Le Beau ( 1850 in Rastatt – 1927 in Baden-Baden)

L.A.Le Beau, eine Zeitgenossin von Clara Schumann, wurde als einziges Kind, einer badischen Offiziersfamilie französischer Herkunft, in Rastatt geboren.

Ihre Karriere begann sie, so wie Clara Schumann, als Pianistin, Le Beau war aber viel produktiver und vielseitiger als Clara.

Nach ihren frühen Kompositionen für Klavier und Gesang op. 1-21, schrieb sie vor allem Werke für große Besetzung: u.a. eine Symphonie, 2 Opern, Klavierkonzert, Konzertouverture, Fantasie für Klavier und Orchester. Für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich, weil doch im 19. Jahrhundert die Meinung herrschte, daß komponierende Frauen nur mit Liedern und Klavierstücken, die für den Salon oder für das Haus bestimmt waren, hervortreten sollten bzw. daß Frauen grundsätzlich die kleine Form bevorzugten. Auch war die Risikobereitschaft der Verleger, in umfangreiche Partituren von nur wenig bekannten Künstlerinnen Geld zu investieren viel geringer, als bei männlichen Komponisten. So konnten nur Komponistinnen, die über Eigenkapital verfügten, Veröffentlichungen großer Werke, wie Opern und dergleichen finanzieren.

Mit finanziellen Nöten hatte Le Beau nicht zu kämpfen, in dieser Hinsicht bekam sie vollkommene Unterstützung von ihren Eltern. Lebenslang mußte sie sich aber mit diversen Agenten, Verlegern und Intendanten herumschlagen. Dabei stieß sie oft auf unglaublich große Frauenfeindlichkeit, die in ihren „ Lebenserinnerungen einer Komponistin“ zumindest zum Teil Erwähnung finden. ( Le Beau, L.A.:Lebenserinnerungen einer Komponistin, Baden-Baden 1910.)

Le Beau unternahm ausgedehnte Konzerttourneen u.a. nach Berlin, Leipzig, Salzburg, Wien, wo sie eigene und fremde Werke aufführte. In Wien traf sie Johannes Brahms und den Kritiker Eduard Hanslick. Letzterer schrieb über sie: „Von origineller schöpferischer Kraft keine Spur, hingegen eine tüchtig geschulte Hand u.natürliche Empfindung für Form und Wohlklang/…../ Überall symmetrische Verhältnisse, gesunde Harmonie und Modulation, korrekt und selbständig einherschreitende Bässe, wie man sie bei einer Dame kaum vermuten würde. Einer kühnen Wendung oder überhaupt einer überraschenden Episode wird man bei dieser Dame kaum begegnen, und ist sie einmal in eine entfernte Modulation geraten, so überlegt sie, echt weiblich,/…./ wie sie am schnellsten wieder nach Hause findet.“ (Hanslick,Eduard: Concerte, Componisten und Virtuosen der letzten fünfzehn Jahre 1870-1885. Berlin 1886, S.446 )

Le Beau betätigte sich auch als Klavierpädagogin und gründete den „Privat Musikkursus für Töchter gebildeter Stände“ in München. In erster Linie sah sie sich jedoch als Komponistin.

In den Rezensionen werden einerseits ihre Werke ehrlich lobend erwähnt, andererseits beziehen sie sich auf ihr Geschlecht, z.B. ersichtlich über ihre Violinsonate op.10, die als „männlich, nicht wie von einer Dame gemacht“ gewürdigt wird. (Weissweiler, Eva: Komponistinnen aus 500 Jahren. Eine Kultur- und Wirkungsgeschichte in Biographien und Werkbeispielen. Frankfurt/Main 1981, S.277. )

Über das Klaviertrio op. 15, welches ein sehr ausdrucksvolles und kantables Werk ist, hat der Komponist Franz Lachner gemeint: „ Fahren Sie nur so fort; das ist heutzutage selten – denn jetzt schämen sich die Leute ja, wenn ihnen eine Melodie einfällt!“ (Weissweiler, Eva: Ebenda, S.277.)

Im Jahr 1893 wurde Le Beau für eine Professur in Komposition an der königlichen Musikhochschule In Berlin vorgeschlagen, aber leider wurde der Titel an Frauen nicht vergeben.

In ihrem letzten Lebensjahrzehnt wurde Louise immer verbitterter, resigniert meinte sie: „…ich habe meine musikalischen Wünsche begraben………mit dem Außenleben abgeschlossen….“

'Ingeborg Weber-Kellermann schreibt: „ Nie zuvor hatte die Frau eine so untergeordnete und unselbständige Stellung……innegehabt,“ wie in diesen Jahrzehnten. Und nie zuvor, haben sich deutschsprachige Musikschriftsteller so sehr als gottväterlich-absolute Autoritäten aufgespielt und über ihre komponierenden Untertaninnen so viel Plattes, Dummes und Gemeines geschrieben.

Man kann sich unschwer vorstellen, daß sensible Komponistinnen durch die ständigen Hinweise auf Ihre, wie Fanny Hensel gesagt haben würde, „elende Weibsnatur“ nach und nach immer mehr verunsichert wurden…….Aus der Unsicherheit wurde bei Louise Resignation, aus der Resignation ein geistiger Selbstmord auf Raten…..Anders ist ihre Erklärung, ihre „musikalischen Wünsche…. begraben“ zu haben, wohl kaum zu deuten.' (Weissweiler, Eva : Ebenda, S.293.)