Fanny Hensel geb. Mendelssohn-Bartholdy (1805 in Hamburg - 1847 in Berlin)

Fanny Hensel wurde am 14. November 1805 in Hamburg geboren. Sie war die älteste von vier Kindern und ihre wohlsituierten Eltern Abraham und Lea Mendelssohn achteten sehr darauf, daß ihre Kinder schon frühzeitig eine ausgezeichnete Bildung erhielten. Bald erkannten sie auch die außergewöhnliche musikalische Begabung von Fanny und ihrem Bruder Felix. Den ersten Klavierunterricht erhielten sie von ihrer Mutter. Weitere Klavierlehrer waren dann unter anderem Ignaz Moscheles und Johann Nepomuk Hummel. In Musiktheorie und Komposition wurden die Geschwister von Karl Friedrich Zelter, den Vater Abraham eigens als Kompositionslehrer einstellte, unterrichtet. Aus dieser Zeit sind die ersten Kompositionen, Lieder und Klavierstücke, auch Kammermusik von Fanny überliefert.

Während ihr Bruder ausgedehnte Bildungsreisen unternahm und dabei mit berühmten Musikern zusammentraf, wurde Fanny von allem Anfang an von ihrem Vater die Rolle einer zukünftigen Ehefrau und Mutter zugedacht. Ihr Bruder sollte und durfte sich durch eine ernsthafte musikalische Ausbildung eine Existenz als Dirigent und Komponist aufbauen, für Fanny wurde dies ausgeschlossen, ihr musikalisches Wirken sollte sich auf "das Haus" beschränken. Genauso wurde sie darin bestärkt, daß sie sich als Frau eher an das Lied zu halten habe.

So konnte sie ihre Kompositionen auch nur im engsten Familien- und Freundeskreis vorstellen.

Ihr gesamtes Wirken spielte sich im kleinen Kreis bei Abendgesellschaften und vor allem auch in häuslichen Konzerten ab, den sogenannten "Sonntagsmusiken", die vierzehntägig im Haus Mendelssohn stattfanden. Um auch über den Familien- und Freundeskreis hinaus ihre Werke einer größeren Öffentlichkeit vorstellen zu können, hat sie einige Lieder und ein Duett unter dem Namen ihres Bruders Felix in seinen ersten Liedersammlungen (1827 und 1830) veröffentlicht.

1829 heiratete Fanny den preußischen Hofmaler Wilhelm Hensel.

Wilhelm Hensel förderte seine Frau in ihrer Musikausübung sehr, unter anderem stattete er Kompositionen von ihr mit dazu passenden Zeichnungen aus. Sie wiederum vertonte Gedichte von ihrem Mann. Größere Werke für Solisten, Chor und Orchester, die Kantaten Hiob und Lobgesang und das Oratorium nach Bildern der Bibel, entstanden im Jahr 1831.

Bei einer einjährigen Italienreise, die Fanny und Wilhelm Hensel unternahmen, bekam sie die Anerkennung, die sie schon lange ersehnte. Hier lernte sie Musiker kennen, wie z.B. Charles Gounod, die sie als Pianistin und Komponistin sehr schätzten.

Ihr bedeutenstes Klavierwerk den Zyklus "Das Jahr" komponierte Fanny Hensel 1841 in Berlin.

Erst gegen Ende ihres Lebens hatte sie den Mut und begann, gegen den Willen des Bruders, endlich mit der Drucklegung ihrer Kompositionen. Ab 1846 erschienen Lieder, einige Chorlieder a capella, Klavierstücke op. 1-7.

Zu weiteren Veröffentlichungen kam es dann leider nicht mehr, Fanny starb während einer Musikprobe unerwartet an einem Gehirnschlag.

Seit 1987 finden durch den Furore Verlag in Kassel nach und nach Erstveröffentlichungen der Werke Fanny Hensels statt (sie komponierte fast 500 Werke), Klavier- und Kammermusik, auch Werke mit großer Besetzung.

Nach dem Tod seiner Schwester gab Felix Mendelssohn, auf Anraten Wilhelm Hensels, den Auftrag zur Herausgabe einiger Werke von Fanny (Lieder op.8, op.9, op.10, und das Klaviertrio op.11)

Felix trauerte sehr um seine Schwester und starb überraschend ein halbes Jahr später Anfang November 1847.