Emilie Mayer (1812 in Friedland - 1883 in Berlin)

Emilie Mayer blieb bis 1840 in ihrem Heimatort, da sie nach dem frühen Tod der Mutter, vermutlich für den Haushalt des verwitweten Vaters verantwortlich war. Nach dessen Tod studierte sie in den Jahren 1841 bis 1847 bei Carl Loewe in Stettin Komposition. Hier entstanden mehrere Kammermusikwerke und auch zwei Sinfonien, die in Stettin erfolgreich aufgeführt wurden. Bei dem renommierten Musiktheoretiker und Komponisten Adolf Bernhard Marx in Berlin und bei Wilhelm Wiprecht, bei dem sie Instrumentationsunterricht erhielt, setzte sie ihr Studium fort.
Erwähnenswert und hervorzuheben ist, dass sich diese drei Lehrer besonders für ihre Schülerinnen und für einen gründlichen Musikunterricht von Frauen einsetzten. In dieser Zeit galten ja noch die allgemeinen Zugangsbeschränkungen für Frauen im Fach Komposition an Hochschulen und Konservatorien.

Diese Berliner Lehrer, aber auch schon Carl Loewe in Stettin, förderten Emilie Mayer nicht nur in theoretischer Hinsicht sondern waren ihr auch bei der Organisation von Konzerten, wo sie ihre eigenen Werke vorstellen konnte, behilflich.

Schon während der Jahre ihrer Ausbildung komponierte Emilie Mayer solche Werke, die in dieser Zeit als "unweiblich" und zu schwierig galten. Schließlich zählen zu ihrem großen Werkverzeichnis, neben zahlreicher Streicher- und Klavierkammermusik, unter anderem auch acht Sinfonien, sieben Konzertouvertüren, ein Klavierkonzert.

Nicht nur in Berlin, wo sie nach einem Konzert von Königin Elisabeth einen Orden bekam, wurden ihre Werke oft und erfolgreich aufgeführt, auch in vielen anderen Städten wie z.B. Brüssel, Lyon, Dessau, Leipzig und München wurde sie umjubelt. 1855 erfolgte die Ernennung zum Ehrenmitglied der Philharmonischen Gesellschaft in München.

Stilistisch sind die frühen Werke Emilie Mayers der Klassik zuzuordnen, wobei hier der Einfluss Beethovens spürbar ist. Das ist vor allem auch in den Streichquartetten, die in der Zeit zwischen 1855 und 1858 entstanden sind, erkennbar.

Die Komponistin starb am 10. April 1883 in Berlin.

In Berlin war sie zu Lebzeiten in ihrer Generation eine von den wenigen - wenn nicht sogar die einzige - Komponistinnen, die auf so viele öffentliche, erfolgreiche Konzerte mit großen Instrumentalwerken verweisen kann. Nach ihrem Tod wurde sie leider rasch vergessen.